Einwanderungsland Deutschland

26. Januar 2015

Blog Pressespiegel

Deutschland ist nach den USA zweitgrößtes Einwanderungsland der Welt: Zwischen „Kulturlosigkeit“ und interkultureller Öffnung

Postkulturalismus und Postnationalität – Europa fürchtet die „Kulturlosigkeit“

In philosophischen Debatten zur gesellschaftlichen Entwicklung und Integration taucht immer wieder der Begriff der „postkulturellen Gesellschaft“ auf. Dabei werden gern die USA als Beispiel dafür herangezogen, wie eine Bevölkerung aus ehemaligen Einwanderern dazu kommt, sich als BürgerInnen ihres Landes zu identifizieren. Wesentlich für diese Entwicklung, so schrieb Andrian Kreye am 4. Dezember 2014 in der Süddeutschen Zeitung, sei vor allem, dass diese Einwanderer bereit waren, „die Wurzeln hinter sich zu lassen und damit auch die eigene Kultur“. Europa hingegen sei „diese vermeintliche Kulturlosigkeit immer ein Grauen“ gewesen.

Kultur“ ist jedoch ein sehr komplexes Phänomen, dessen Wurzelwerk weitverzweigt ist und vielerorts unter der Oberfläche des unmittelbar Sichtbaren liegt. Kultur prägt den Menschen auf vielfältige Weise, und nicht zuletzt in seinen sozialen und kommunikativen Gewohnheiten. Auf der Alltagsebene ist ein großer Teil unserer Kommunikation von kulturell bedingten, erlernten Kommunikations-, Denk- und Verhaltensmustern geprägt (dazu den „Nationale Identität – Die Zukunft wird bunt„.

Einwanderungsland Deutschland – Ausstellung im Haus der Geschichte

Im Einwanderungsland Deutschland treffen täglich Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft aufeinander. Einige sind schon viele Jahrzehnte hier, andere erst seit kurzem – die Ausstellung zum Thema Zuwanderung seit dem zweiten Weltkrieg ist im Bonner Haus der Geschichte noch bis 9. August 2015 zu sehen: „Einwanderungsland Deutschland Ausstellung im Haus der Geschichte„.

Internationalisierung unseres Arbeits- und Privatlebens

Gleichzeitig ist die Internationalisierung unseres Arbeits- und Privatlebens bereits eingetreten. Hier ist daher interkulturelle Handlungskompetenz gefragt. Um erfolgreich und nachhaltig im alltäglichen Miteinander oder im internationalen Kontext mit anderen kommunizieren zu können, ist es für alle Beteiligten vorteilhaft, die kulturellen Einflüsse auf das eigene (Kommunikations-)Verhalten zu kennen. Dadurch kann dieses Verhalten in Beziehung zu den kulturell geprägten Verhaltensweisen des jeweiligen Kommunikationspartners gesetzt und situationsgerecht gesteuert werden – ob im Geschäftskontakt oder im privaten Leben.

Interkulturelle Handlungskompetenzen sind in den Zeiten von Globalisierung, Mobilität und räumlicher Flexibilität zu Schlüsselqualifikationen geworden, die nicht nur in das Portfolio internationaler Manager gehören, sondern die wesentlich für die Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen sind. Die logische Schlussfolgerung: Für die aktive Gestaltung unserer Zukunft als BürgerInnen Deutschlands, Europas und der gesamten Welt stellt interkulturelle Kompetenz für Jedermann und Jedefrau eine Bereicherung dar.

Interkulturelle Trainer/innen sorgen für gesellschaftliche Integration

Für interkulturelle Trainer (m/w), die diese Kompetenz vermitteln, tun sich hier Arbeitsfelder in allen gesellschaftlichen Bereichen auf. Neben dem „klassischen“ Einsatzbereich in der Unternehmenswelt gehören interkulturelle Fort- und Weiterbildungen auch im Bereich Integration längst zu den gängigen Einsatzgebieten. Hier ist auch noch viel zu tun: Trotz Fachkräftemangel ist es für Zuwanderer und deutsche Jugendliche mit Migrationshintergrund nach wie vor schwer, an Ausbildungsplätze zu kommen (siehe dazu Artikel Süddeutsche „Deutschlands ungenutzte Kraft„). Damit bleibt ein beträchtliches Potenzial nicht nur an tatsächlicher, wirtschaftsrelevanter Arbeitskraft, sondern auch an Chancen für gesellschaftliche Entwicklung und Integration ungenutzt.

Somit ist „interkulturelle Entwicklungshilfe“ auf beiden Seiten zu leisten: Bei Ausbildern in den deutschen kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Wirtschaft gilt es, Vorurteile gegenüber BewerberInnen mit Migrationshintergrund abzubauen (siehe Studie „Diskriminierung am Ausbildungsmarkt: Ausmaß, Ursachen und Handlungsperspektiven“ des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) vom März 2014).

Interkulturelle Öffnung der Gesellschaft: Chance für Zuwanderer & Einwanderer

Umgekehrt ist auch eine „interkulturelle Öffnung“ bei Einwanderern und ihren Familien notwendig, um eine Ghettobildung, ob räumlich oder psychisch, zu vermeiden. Denn Integration, so schrieb der vor 10 Jahren aus St Petersburg eingewanderte Tim Neshitov am 7. Dezember in der Süddeutschen Zeitung, hat viel mit der Suche nach einer Heimat zu tun: „Wenn Einwanderer sich selbst als Bereicherung empfinden, aber ausgerechnet die Kultur, die sie zu bereichern glauben, nicht kennenlernen wollen oder sie gar verachten. In jedem Ghetto spielt sich mehr ab als die Pflege der eigenen importierten Alltagskultur. In Ghettos, ob in sichtbaren oder in geistigen, wächst Frust, was verhindert, dass sie je zu einer Heimat werden können“ (siehe Artikel Süddeutsche: „Einwanderungsland Deutschland – der deutsche Traum„).

Lese- und Linkempfehlungen

  1. Diskriminierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund am Ausbildungsmarkt
  2. Kulturschock – Was passiert, wenn „alles fremd ist“?
  3. Transkulturalität – Das Entstehen einer neuen „Kultur“
  4. Interessante Beiträge und Videos finden sich auf in der Mediathek von ARD und ZDF unter dem Stichwort: Einwanderungsland
  5. Literatur zu dem Thema finden sich unter anderem bei der Bundeszentrale für Poltische Bildung – bpb.

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