Karriere im Ausland – Entsendungen erfolgreich gestalten

14. Februar 2008

Pressemitteilungen

Fachliche Kompetenz allein ist nicht ausreichend – Interkulturelle Kompetenzen sind nötig

Arbeitsmigranten oder Expatriates (kurz: Expats) heißen die Deutschen, die zum Arbeiten ins Ausland abwandern. Das sind meist hochqualifizierte Akademiker, weiß Klaus Bade, Professor am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMINS) in Osnabrück: „Es sind immer die Stärksten, die Mobilsten und die Risikobereistesten, die gehen“ – promovierte Physiker experimentieren in den USA, Chemiker forschen in Kanada, Spitzenmanager leiten Tochterunternehmen in China.

Besonders global aktive Unternehmen können prinzipiell nicht auf Auslandsentsendungen von Mitarbeitern verzichten: sie werden als Know-How- Träger benötigt und übernehmen Schlüsselpositionen wenn die Besetzung durch sogenannte „locals“ nicht möglich ist. Auch in der Unternehmenskommunikation nehmen sie eine wichtige Mittlerfunktion zwischen Stammhaus und Auslandsniederlassung ein. Nach ihrer Rückkehr können die Experten als Ratgeber in landesspezifischen Fragen fungieren.

Doch solche Auslandsentsendungen bringen auch viele Unwägsamkeiten mit sich, denn Auslandsentsendungen sind teuer und das Risiko eines Abbruchs ist hoch: „Ein Expatriate kostet mindestens das fünffache einer vergleichbaren chinesischen Führungskraft“ konstatiert Sylvia Münch von Siemens in China. Und Auslandsentsendungen gehen nach Expertenschätzungen in der Regel zu 25 – 40 Prozent schief! Das könnte amerikanische Unternehmen bis zu 2 Billionen Dollar im Jahr kosten, rechnen Douglas W. Jack und Victorai C. Stage in ihrem Artikel „Success Strategies for Expats“ von September 2005.

Die Gründe dafür sind meist nicht professioneller, sondern interkultureller und sozialer Art. Dazu zählen: schlechte soziale Integration, kulturelle Differenzen, Konflikte in Familie und Partnerschaften. Interkulturelle Experten betonen immer wieder, dass es etwa ein Jahr dauert, bis ein Auslandsmitarbeiter in seinem neuen Arbeitsumfeld volle Wirkungsfähigkeit erreicht hat. In der neuen Umgebung muss man sich gleich an zwei neue Kulturen gewöhnen: die Kultur des Gastlandes selbst und in dessen Folge auch eine veränderte Unternehmenskultur.

„Die größte Herausforderung für Expats liegt, neben kulturellen Konflikten, in erster Linie die Beziehung zum Partner“ sagt Alexander Reeb von IKUD® Seminare Göttingen. „Mehr als 80 Prozent der Expats leben in einer festen Beziehung wenn sie das Land verlassen. Die Trennungsraten sind sehr hoch.“ Die Abkopplung vom vertrauten sozialen Netzwerk der Heimat bereite meist Schwierigkeiten und auch das Finden von neuen Anschlüssen im Ausland gestaltete sich oft kompliziert. Vor allem junge Paare sollten bereits vor dem Auslandsaufenthalt verschiedene Szenarien durchspielen, rät Herr Reeb.

Im Hinblick auf den hohen Prozentsatz von gescheiterten Auslandseinsätzen reagieren immer mehr Firmen und lassen ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor dem Aufenthalt im Gastland gezielt durch Interkulturelle Trainings schulen: sie bereiten auf solche ungewohnten Situationen im Gastland vor und helfen, mit mehr Souveränität und interkultureller Handlungskompetenz in fremdkulturellen Kontexten zu agieren.

Auch nach dem Auslandseinsatz warten oft unterschätze Risiken: Das gewohnte Umfeld hat sich verändert, eine Wiedereingliederung bereitet mehr Schwierigkeiten als erwartet: Nach einer internationalen Umfrage von Pricewaterhouse Coopers und der Cranfield University 2005 verläuft das sogenannte Re-entry lediglich in 5 – 10 Prozent der Fälle problemlos.

Rudolf W. aus Freiburg erzählt: „Die Rückkehr war das Schlimmste was ich bisher erlebt habe: viel schlimmer als das Neu- Sein in einem fremden Land. Plötzlich bist du in deiner eigenen Heimat ein Fremder. In Singapur war es wenigstens legitim, sich fremd zu fühlen!“ Dazu komme die subjektive Umberwertung aller schlechten Erfahrungen indem die negativen Erlebnisse ausgeblendet würden, man fühle sich isoliert und werde oft enttäuscht von der Kälte des eigenen Landes, berichtet es aus seiner Erfahrung.

Die Gründe für die Schwierigkeiten bei der Rückkehr seien vielfältig, meist jedoch liege es an einer mangelnden Vorbereitung und an unverarbeiteten Situationen vor der Rückreise, meint Reeb.

Rückkehrer Workshops und Re-Entry Seminare bieten hier Gelegenheit, solche Probleme zu verhindern, in dem sie eine Plattform zum gegenseitigen Austausch darstellen und Rückkehrer Raum geben, sich intensiver mit gemachten Erfahrungen auseinander zu setzten.

Quellen:

Douglas W. Jack, Victoria C. Stage: Success Strategies for Expats. Dadabase: Buisness Source Premier: T+D. Sep2005, Vol. 59 Nummer 9, S. 48-51. abgerufen am: 17.10.2007.

Buchtipp:
Mütze/Popp: Handbuch Auslandsentsendung, 1. Auflage 2006

 

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