Internationales Projektmanagement & Kulturelle Diversität

29. November 2010

Veröffentlichungen

Internationales Projektmanagement – Einführung

Die zunehmende Globalisierung und Komplexität des wirtschaftlichen Marktes bringt es mit sich, dass immer häufiger Kooperationen, Akquisitionen, Herstellungsprozesse, Standortverlagerungen und Zielgruppendifferenzierungen im internationalen Umfeld stattfinden. Dies geschieht häufig in Form von Projekten. Projekte im nationalen Kontext erreichen bereits eine hohe Komplexität, da häufig Kooperationspartner mit verschiedenen Hintergründen und Zielen zusammenkommen. Internationales Projektmanagement beinhaltet, dass noch zusätzliche Dimensionen wie kulturelle Unterschiede in der Kommunikation, Infrastruktur und bezüglich des Projektverständnis hinzukommen, die die Komplexität noch vervielfachen. Um internationale Projekte dennoch erfolgreich durchführen zu können, bedarf es daher eines Internationalen Projektmanagements, bei dem es um die Schnittstelle zwischen den Bereichen Projektmanagement und Internationalität geht. Werden internationale Projekte erfolgreich durchgeführt, bieten sie in der Regel wesentlich höhere Erfolgspotenziale und Synergien als es in nationalen Projekten möglich wäre. Denn internationale Projekte bringen Vorteile, die im nationalen Rahmen oft nicht  vorzufinden sind: z.B. die technologische Expertise eines Partnerlandes, demographisch bedingte hohe Anteile von bestimmten Bewerbergruppen oder bestimmte Realisierungsmöglichkeiten von Teil- und übergeordneten Zielen.

Internationales Projektmanagement – Initiierung und Management

Bei der Initiierung und dem Management von internationalen Projekten muss unterschieden werden, wie viel an Kapital- und Managementleistungen bei internationalen Vorhaben gebunden werden sollen. Vom Export über die Lizenzvergabe bis hin zur Tochtergesellschaft wird im zunehmenden Maße Kapital im Ausland gebunden, so dass sich für Unternehmen immer mehr Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten im Zielland, aber auch die Notwendigkeit der stärkeren Berücksichtigung lokaler Rahmenbedingungen ergeben. Je nach Stufe der Internationalisierung der Projekte lassen sich unterschiedliche Effizienzen sowie unterschiedliche Anforderungen an das Projektmanagement feststellen. Während internationale Unternehmen sich noch auf der ersten Stufe befinden, weil die Vorgaben noch von der Muttergesellschaft ausgehen und starken nationalen Charakter haben, erfolgt in den nächsten Stufen multinationaler und globaler bis hin zu transnationalen Unternehmen eine immer stärkere Berücksichtigung der lokalen Rahmenbedingungen sowie eine Etablierung gemeinsamer kulturübergreifender Abläufe.

Internationales Projektmanagement – kulturelle Herausforderungen

Internationales Projektmanagement stellt neben kommunikativen, rechtlich-politischen, technologischen und persönlichen Aspekten vor allem hohe Anforderungen an die Berücksichtigung kultureller Unterschiede. Unterschiedliche Konzepte von Projektdurchführungen, Arten der verbalen, non-verbalen und elektronischen Kommunikation, von Beziehungsgestaltung und von Machtverhältnisse lassen sich in sogenannten Kulturdimensionen zusammenfassen. Die verschiedenen Klassifikationen u.a. von Hofstede, Edgar Schein, Edward Hall oder Fons Trompenaars dienen dabei als hilfreiche Modelle, um komplexe kulturell bedingte Zusammenhänge in der Realität zu verstehen und erfolgreich auf der konkreten Verhaltensebene nutzbar zu machen. Gerade weil im internationalen Kontext das Risiko einer abwärts gerichteten Misstrauensspirale besteht, ist eine Vorbeugung in Form eines international ausgerichteten Projektmanagements notwenig. Als Hilfsmittel eignen sich dabei neben den erwähnten Kulturdimensionen kulturelle Dolmetscher (sogenannte „Cultural Agents“), die die Sichtweisen der einzelnen kulturellen Perspektiven kennen. Außerdem bieten Phasenmodelle, die sich in die Phasen Anbahnung, Initialisierung, Planung, Durchführung, Abschluss und Follow-up unterteilen lassen, handlungsweisende Orientierungen.

Internationales Projektmanagement – Umfeldanalyse

Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Umfeldmanagement, bei dem Maßnahmen im Umgang mit Stakeholdern, politisch- rechtlichen und infrastrukturellen Aspekten ergriffen werden und Arten der internationalen Verhandlungsführung behandelt werden. Internationales Projektmanagement beinhaltet zudem in einem fortlaufenden Prozess den adäquaten Umgang mit Risiken, in dem besonders die Faktoren Projektrolle, Persönlichkeit und kultureller Hintergrund berücksichtigt werden müssen. Dieser Bereich sollte wenn möglich von einem separaten Risikomanager und abgegrenzt vom Projektleiter betreut werden, um Neutralität innerhalb des Projekts zu gewährleisten. Weiterhin ist das Konfliktmanagement ein wichtiger Bestandteil des internationalen Projektmanagements. Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen birgt Konfliktpotentiale und muss daher adäquat wahrgenommen, diagnostiziert (inhaltliche, prozessorientierte, persönlichkeitsbasierte oder Beziehungskonflikte?), behandelt und idealerweise präventiert werden. Was Konflikte in internationalen Projektgruppen so komplex macht, sind die verschiedenen Konfliktbewältigungsstrategien der unterschiedlichen Kulturen, ohne deren Berücksichtigung ein erfolgreiches Konfliktmanagement nicht möglich ist.

Internationales Projektmanagement – Hochleistungsteams

Internationales Projektmanagement hat auch die Aufgabe, internationale Hochleistungsteams effizient in Form von transaktionaler und transformationaler Führung zu leiten. Zur Einordnung des Projektteams muss eine kulturelle Teamanalyse durchgeführt werden sowie führungsrelevante Kulturdimensionen bewusst gemacht werden, um sie für einzelne Anforderungen (beispielsweise zur Motivation, für Feedback oder zur Entscheidungsfindung) anwenden zu können. Aufgrund simultaner Prozesse in internationalen Projekten ist ein situativer Führungsstil ebenso unerlässlich wie fachliche, soziale und interkulturelle Kompetenz. Auch die klassischen Bereiche Projektorganisation, Projektsteuerung und Projektkontrolle muss ein internationaler Projektmanager bewältigen, da hier die Vielschichtigkeit durch die internationale Ausrichtung im Vergleich zu nationalen Projektmanagement zunimmt. Internationales Projektmanagement stellt weiterhin hohe Anforderungen an die Teamentwicklung, da hier verschiedene kulturelle Hintergründe aufeinandertreffen. Hier ist es wichtig, für ein gemeinsames Zielverständnis, für Vertrauensaufbau und für eine abgestimmte Arbeitsweise zu sorgen. Es muss auch auf die fünf Teambildungs-Phasen Forming, Storming, Norming, Performing und Adjourning geachtet werden, da sie jeweils verschiedene Prozesse und Herausforderungen beinhalten, mit denen ein internationaler Projektmanager umgehen muss, um ein erfolgreiches Zusammenarbeiten auf internationaler Ebene zu gewährleisten.

Zitierweise
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IKUD® Seminare (Erscheinungsjahr): „Titel des Textes “, unter: https://www.ikud-seminare.de/LINKNAME.HTML (abgerufen am xy.xy.xxxy).

 

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